Inhalt

Die schöne Kuh Jacqueline ist Fatahs ganzer Stolz. Der größte Traum des algerischen Bauers ist es, sie eines Tages auf der Landwirtschaftsmesse in Paris zu präsentieren. Als er tatsächlich eine offizielle Einladung aus Frankreich bekommt, gibt es für ihn kein Halten mehr. Mit der Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft treten Fatah und seine Kuh eine abenteuerliche Reise an: zuerst mit dem Boot übers Mittelmeer nach Marseille und von dort zu Fuß einmal quer durch Frankreich. Im Laufe dieser Odyssee, die viele Überraschungen und unerwartete Wendungen bereithält, trifft Fatah viele ungewöhnliche Menschen, die ihm dabei helfen, seinen Traum wahr werden zu lassen.

UNTERWEGS MIT JACQUELINE ist eine genauso lustige wie ergreifende Geschichte über Menschlichkeit, Freundschaft und die Verwirklichung von Träumen. Die charmante Feelgood-Komödie hat in Frankreich bereits die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert. An der Seite einer ganz besonderen vierbeinigen Hauptdarstellerin spielen der in Frankreich gefeierte Komiker Fatsah Bouyahmed sowie die Schauspiel-Stars Lambert Wilson und Jamel Debbouze. Produziert wurde UNTERWEGS MIT JACQUELINE von den Machern von „Ziemlich beste Freunde.“

Gewinnspiel
MITMACHEN UND TOLLE PREISE GEWINNEN
1. PREIS
Best Western Travel Card
im Wert von 500 €

Sie wollten schon immer nach Paris?
Gewinnen Sie eine Best Western Travel Card und lassen Sie Ihre Träume wahr werden. Die Gutscheinkarte ist übrigens nicht nur in Paris, sondern auch weltweit einlösbar. Best Western Hotels & Resorts ist eine internationale Hotelkette mit über 4.000 Hotels weltweit.
bestwestern.de

2. PREIS
3 x Feinschmecker-Sets

Gewinnen Sie eines von drei hochwertigen Feinschmecker-Sets oder kommen Sie vorbei und „sehen, probieren, genießen“ Sie - in Ihrer Stadt oder unter vomfass.de Lebensfreude, frisch vomFASS.

3. PREIS
5 x Jahresabos

Frankreich – von seiner allerschönsten Seite. Gewinnen Sie eines von 5 Frankreich Magazin-Jahresabonnements. Entdecken Sie das echte Frankreich mit hochwertigen Reportagen und tollen Reisetipps!
frankreichmagazin.org

Um teilzunehmen schreiben Sie bis zum 31. August 2016 eine Mail an gewinnspiel@alamodefilm.de und beantworten Sie folgende Frage:

Wie heißt die Kuh im Film?

Die Gewinner werden schriftlich benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung der Preise ist nicht möglich.
Mitarbeiter der veranstaltenden Firmen sowie angeschlossener Agenturen und allgemeiner Gewinnspielservices sind nicht zur Teilnahme berechtigt.

Wir danken unseren Partnern
für Ihre Unterstützung:
Interview
MIT REGISSEUR MOHAMED HAMIDI

Wie entstand die Idee zu UNTERWEGS MIT JACQUELINE?
Ein Roadmovie quer durch Frankreich zu drehen ging mir schon lange im Kopf herum. Ich kenne das Land ziemlich gut. Mit 17 habe ich zum ersten Mal als Betreuer in Ferienlagern gejobbt, und das dann viele Jahre lang gemacht. Damals bin ich viel herumgekommen. Wenn die Kinder aus den Vorstädten die Einheimischen kennenlernten, Landwirte etwa, waren das großartige Augenblicke, die mich sehr bewegt haben. Fatsah, den ich seit zehn Jahren kenne, erzählte mir eines Tages von einem seiner Onkel. Der interessierte sich sehr für Agronomie und Dünger und fragte ihn regelmäßig Löcher in den Bauch über die Pariser Landwirtschaftsmesse, die er gern mal besucht hätte. UNTERWEGS MIT JACQUELINE ist ein Mix aus all dem. Wahrscheinlich haben mich aber auch Filme wie „Ich und die Kuh“, den ich als Kind mindestens zehn Mal gesehen habe, „Little Miss Sunshine“ oder „A Straight Story“ beeinflusst. Das sind Roadmovies, die ich liebe.

Während Fatahs Odyssee gibt es jede Menge zu lachen, aber es sind auch viele bewegende Szenen dabei. Was wollten Sie durch all die Reaktionen der Menschen ausdrücken, denen Fatah auf seiner Reise begegnet?
Beim Schreiben des Drehbuchs hat man mir schon häufig vorgeworfen, ich wäre zu naiv oder zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen. Aber ich habe diese Linie bis zum Ende durchgezogen. Es ist wie in meinem Film „Les lettres persanes“: Wenn ein positiver, guter Mensch sich in ein unbekanntes Milieu begibt, erntet er das, was er sät. Ich wollte, dass er gastfreundlichen, offenen Menschen begegnet, mit denen ein Austausch möglich ist. Unser Held traut sich, einfach alles zu sagen – dabei helfen ihm seine Feinheit und Einfachheit, seine Freundlichkeit und sein Unbewusstsein –, und die Menschen nehmen es ihm nicht nur nicht übel, sie mögen ihn. Mein Vater, der ebenfalls vom Land kommt, war genau so, er sagte stets, was ihm in den Sinn kam, aber auf eine so liebenswerte Art, dass ihm niemand böse war. Ich wollte keinen aggressiven Film machen, der klischeehaft zeigt, dass Immigranten stets zurückgewiesen werden. Abgesehen davon bin ich überzeugt, dass ein Mann, der heutzutage mit seiner Kuh auf den Straßen Frankreichs unterwegs wäre, überall auf Sympathie stoßen würde. Vor allem einer wie Fatah, natürlich.

Fatsah Bouyahmed spielte bereits in Ihrem ersten Film „Né quelque part“ mit. Haben Sie ihm die Rolle auf den Leib geschrieben?
Ja, das stand von vornherein fest. Es gibt nicht viele Schauspieler, die wie er fähig sind, gleichzeitig humorvoll, poetisch und grundehrlich zu wirken. Wichtig war mir außerdem, dass er beim großen Publikum eher unbekannt ist. Damit der normale Zuschauer glauben kann, dass dieser Typ mitsamt seiner Kuh gerade erst sein Heimatdorf verlassen hat. Offen gestanden war es nicht leicht, Fatsah bei den Produzenten durchzuboxen. Wenn wir Verleihern oder Fernsehsendern erklärten, dass wir einen Film machen möchten, in dem ein unbekannter Araber mit einer Kuh durch Frankreich zieht, herrschte erst mal Skepsis, und dann war viel Überzeugungsarbeit nötig.

Warum spielt die algerische Heimat in Ihren Filmen eine so große Rolle?
Ich denke, um eine Vergangenheit wiederaufleben zu lassen, die ich nicht hatte. Was mich heute interessiert, sind meine Wurzeln, meine Eltern und der Kulturschock, den sie nach ihrer Auswanderung erlebt haben müssen. Ich möchte nicht über die Vorstädte sprechen – das habe ich intensiv getan, als ich in Bobigny unterrichtete, oder auf meinem Bondy Blog. Ich finde es viel interessanter, sich mit einer so witzigen, einfachen und naiven Filmfigur zu beschäftigen.

Die Szene, in der Graf Philippe für Fatah einen Liebesbrief an seine Frau schreibt, ist unwiderstehlich.
Ich hatte mich ja schon mit der Beziehung zwischen Vätern und Söhnen beschäftigt, aber noch nicht mit der zwischen Männern und Frauen. Paare in meiner algerischen Heimat sind sehr prüde. Liebevolle Gesten sind tabu, sie geben sich in der Öffentlichkeit nie die Hand, geküsst wird erst recht nicht. Trotzdem verbindet viele eine unausgesprochene Liebe. Ich fand es schon immer seltsam, wie reserviert unsere Eltern in Gefühlsangelegenheiten waren. Aber man muss nur darauf achten, welche Chansons sie hören, beispielsweise die von Oum Kalthoum … das ist Romantik pur, da wimmelt es nur so von „Ich liebe dich“, „Du fehlst mir“, „meine Liebe“. Mit dieser Szene – Fatah diktiert Philippe einen Brief, um seine Frau zurückzuerobern – wollte ich diesen Widerspruch beschreiben. Sie ist meine Lieblingsszene im ganzen Film.

Ist UNTERWEGS MIT JACQUELINE für Sie ein politischer Film?
Ja, auch wenn es nicht danach aussieht. Aber wie in den besten Fabeln sollte alles nur angedeutet sein und nicht mit dem Holzhammer kommuniziert werden. In unseren bewegten Zeiten, in denen bestimmte Kräfte versuchen, Religionen und unterschiedliche Lebensweisen gegeneinander auszuspielen, wollte ich zeigen, dass es Menschen jeglicher Couleur sehr wohl möglich ist, zusammenzuleben und Dinge zu teilen, ungeachtet der kulturellen Unterschiede, des gesellschaftlichen Status oder des Glaubens. So bin ich nun mal erzogen worden.

Wie kam es zum Engagement von Ibrahim Maalouf für die Musik?
Während der Arbeit an meinem Film „Né quelque part“ hatte der Komponist Armand Amar Ibrahim Maalouf gebeten, sämtliche Trompetensoli einzuspielen. Das Resultat war großartig. Für UNTERWEGS MIT JACQUELINE schwebte mir nicht nur eine Art Blaskapellen-Musik vor, ich wollte auch, dass Ibrahim der Orchesterchef ist. Armand meinte zu mir: „Es ist wirklich am besten, wenn du direkt mit ihm arbeitest“. Ibrahim las das Drehbuch und war begeistert, dennoch warnte er mich: „Ich will's gern versuchen, aber ich habe nur einen Monat Zeit, und es könnte kompliziert werden.‘ Das Risiko bin ich eingegangen. Ich habe ihn dann im Libanon besucht, um mir die Muster anzuhören, die er auf seinem Computer ausgetüftelt hatte, allein, nur mit Trompete und einer kleinen Klaviatur. Ich war total begeistert, und dann nahmen wir lediglich ein paar winzige Kurskorrekturen vor. Ibrahim hat einen grandiosen Soundtrack komponiert, der – davon bin ich überzeugt – die Zeit überdauern wird.



Über die Kuh
DIE SUCHE NACH DER KUH

„Die Suche nach der richtigen Kuh hat uns wirklich Kopfzerbrechen bereitet. Ich konnte ja weder eine französische Kuh nach Marokko verschiffen – wo die Szenen, die in Algerien spielen, gedreht wurden –, noch eine marokkanische Kuh nach Frankreich. Deshalb brauchten wir drei identisch aussehende Kühe, eine für jedes Land, und ein Double, für alle Fälle. Für mich stand fest, dass sie unbedingt braun sein musste, um als algerische Kuh durchzugehen. Die erste, die wir ins Auge fassten, war eine Jersey-Kuh. Aber Fatsah und sie, das passte irgendwie nicht. Sie war zu klein. Als ich erfuhr, dass in Marokko Tarentaise-Kühe gezüchtet werden, bin ich hingefahren, um sie mir anzusehen. Ich fand sie sehr hübsch, sie waren kräftiger, brauner und hatten die richtige Größe. Also haben wir das Casting andersherum gemacht: Ich suchte mir eine schöne Tarentaise-Kuh in Marokko aus, und in Frankreich mussten wir anschließend ihre Doppelgängerin finden. Ich habe mir bestimmt an die 300 Kühe in den Alpen angeschaut. Die beiden, die wir auswählten, wurden nach Fontainebleau zu Pierre Cadéac gebracht, einem Tiertrainer, der fürs Kino arbeitet. Dort lernten sich Fatsah und Jacqueline kennen. Unterdessen musste die marokkanische Jacqueline in Ruhe zunehmen. Souad Lamriki, unsere Produzentin vor Ort, gab sie in die Obhut eines kleinen Jungen namens Icham. Er sollte die Kuh gut pflegen und gewissermaßen zähmen. Dabei hat er sich in sie verliebt. Am letzten Drehtag bereiteten wir ihm eine große Überraschung – und schenkten sie ihm. Er war außer sich vor Freude.“ - Mohamed Hamidi

Über die Kuh
…UND DER NAME DER KUH

„Das kam so: In meiner Jugend, als Handys noch nicht existierten, gab ich immer die Festnetznummer meiner Eltern an. Das nervte meinen Vater, denn für ihn war unser Telefon ausschließlich dazu da, um mit Algerien zu kommunizieren. Immer, wenn wir länger als eine Minute telefonierten, ging er dazwischen: „Schluss jetzt, vielleicht ruft Algerien an!“ Die Namen der Mädchen, die mich sprechen wollten, konnten sich meine Eltern partout nicht merken. Deshalb sagte mein Vater immer: „Da ist schon wieder eine Jacqueline am Apparat!“ Übersetzt hieß das: Schon wieder eine Französin! Als Mohamed mir erzählte, dass ihm noch kein Name für unsere Kuh eingefallen war, schlug ich Jacqueline vor. Und er war einverstanden.“
- Fatsah Bouyahmed



Interview
MIT FATSAH BOUYAHMED (Fatah)

Was fanden Sie es, als Quasi-Debütant die Hauptrolle in diesem Film zu spielen?
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Noch nie habe ich in meinem Leben 40 Tage am Stück gearbeitet, ja, ich hatte es mir nicht einmal gewünscht. Und plötzlich musste ich heute, morgen, übermorgen schuften. Für mich war das eine ganz neue Erfahrung. Wie würde ich sein? Würde ich die anderen enttäuschen? Würde ich mir eine Erkältung einfangen? Ich habe mich sehr intensiv auf die Arbeit vorbereitet. Ich wusste, dass ich gelassen, in Form und zu allem bereit sein musste. Auf der anderen Seite bin ich ja nun auch Schauspieler. Ich habe mich lange mit der Comedia dell'arte beschäftigt und in ganz Frankreich Straßentheater gemacht. Irgendwann stieß ich dann zum Jamel Comedy Club und habe viel mit Jamel Debbouze zusammengearbeitet. Trotzdem hätte ich mir niemals träumen lassen, eines Tages Kinofilme zu drehen. Als es dann losging, musste ich mir eingestehen, dass ich mir das im Grunde schon immer gewünscht hatte.

Im Film sprechen Sie wie ein waschechter Algerier, dabei sind Sie in Frankreich geboren und haben weder Akzent noch Dialekt…
Es gibt viele Leute, die total enttäuscht sind, wenn sie mich jetzt in echt reden hören. Die Art, wie der Held unseres Films spricht, habe ich mir teilweise von meinem Vater abgeschaut. Er ist ein echter Clown! Er hat die Menschen immer zum Lachen gebracht. In der Siedlung, in der wir wohnten, war er der Liebling aller Nachbarn. Meine Mutter war sogar ziemlich eifersüchtig, weil ihn die Frauen so amüsant fanden.

Wie haben Sie am Drehbuch mitgearbeitet?
Mohamed und ich haben gemeinsam die Dialoge geschrieben. Meine Filmfigur spiele ich im Grunde schon seit 1997, ich nenne sie „mein Vater in jung“. Als ich Jamel kennenlernte, machte ich Stand-up-Comedy, und hin und wieder kam damals mein Vater zum Einsatz. Die Figur ist im Grunde auch schon in Mohameds erstem Film zu sehen.

Kannten Sie sich bereits, bevor Sie zusammen Kinofilme drehten?
Wir arbeiteten beide für Jamel, so habe ich Mohamed kennengelernt. Wir wurden auf Anhieb dicke Freunde. Er ist in Bondy geboren, ich in Aubervilliers, wir sind eine Generation und kennen beide die Songtexte von Michel Jonasz auswendig. Ich hatte Mohamed mal erzählt, dass ein Onkel in Algerien, ein Bauer – der einzige von den Geschwistern meines Vaters, der in der Heimat blieb und Französisch schreiben und lesen konnte – mich eines Tages gefragt hatte: „Kannst du mir bitte Fotos von der Landwirtschaftsmesse in Paris besorgen? Ich würde so gerne mal hinfahren, um all die Maschinen und Tiere zu sehen…“ Mohamed fand das lustig, und so entstand die Idee für UNTERWEGS MIT JACQUELINE.

Was hinterließ während der Dreharbeiten den stärksten Eindruck auf Sie?
Vielleicht der Moment, als ich Lambert Wilson gegenüber stand. Da hatte ich wirklich drei Sekunden lang Angst. Natürlich hatten wir im Vorfeld ausgiebig miteinander gesprochen, geprobt auch, doch als wir schließlich vor der Kamera agieren mussten, wusste ich nicht mehr, wie mir geschah, ich hatte nur noch einen Gedanken: „Wow, das ist Lambert Wilson!“ Wäre auch ein Wunder gewesen, wenn er mich nicht beeindruckt hätte. Immerhin hat man es doch mit einem Mann zu tun, der praktisch das französische Kino repräsentiert – so viele Filme hat er schon gedreht! Im Lauf der Dreharbeiten sind wir uns so nahe gekommen wie unsere Filmfiguren. Ich merkte, wie Lambert mich unterstützte und wie viel ich von ihm lernte. Bis dahin hatte ich ja nur mit Komikern gearbeitet. Das ist ein Menschenschlag, der ständig in Bewegung ist und permanent Lacher provozieren will. Lambert hingegen ist ein sehr konzentrierter Schauspieler, der sich ernsthaft und minutiös vorbereitet. Inzwischen will ich den Beruf genau so ausüben wie er, möchte künftig in Gestik und Ausdruck absolut authentisch sein.

Zu Beginn des Films sieht man, wie Sie in Ihrem Garten arbeiten und dabei Klassiker von Aznavour und Jonasz summen, zwischendurch auch mal „Joe le Taxi“ von Vanessa Paradis. Singt man in Algerien wirklich französische Chansons?
Nicht nur das. Ich würde sogar sagen, dass Algerier die größten Bewahrer der französischen Popkultur sind. Jedenfalls die Generation meines Vaters. Für ihn steht Frankreich auch für gute Manieren. Mit seinen 75 Jahren ist er außer sich, wenn er mit ansehen muss, wie ein Mann einer Frau die Tür nicht aufhält. Die Bandbreite dieser Bewunderung der französischen Kultur reicht vom Chanson bis zum feinen Anzug!

Ihre Filmfigur wirkt sehr zerbrechlich und empfindsam…
Stimmt! Solche Araber gibt es, aber man kennt sie nicht. Als Fatah „Ich und die Kuh“ im Fernsehen anschaut, kommen ihm die Tränen, weil Fernandel seine Kuh zurücklässt, und dann erklärt er dem besorgten Grafen: „Ich bin für einen Araber viel zu sensibel.“ In Nordafrika muss man aufrecht gehen, stark sein, darf keine Angst und niemals Schwäche zeigen. Unser Held hingegen schämt sich nicht für seine Tränen, er erkennt und akzeptiert seine Schwächen, und er sagt „Ich brauche die anderen“. Es macht ihm nichts aus, wenn die Leute ihn für naiv oder für einen Idioten halten. Er und ich, wir haben viel gemeinsam.



Interview
MIT LAMBERT WILSON (Philippe)

Was hat Sie bei der Lektüre des Drehbuchs interessiert, amüsiert oder berührt?
Erst mal musste ich ganz viel lachen. Dann fiel mir auf, wie lebendig und pointiert es geschrieben war, und dass es sich um eine sehr menschliche Geschichte handelt, eine Geschichte, die Menschen zusammenführt, indem sie alle trennenden Hindernisse aus dem Weg räumt. Das gefiel mir, denn meiner Meinung nach ist es genau die Art von Geschichte, nach der wir uns gerade alle sehnen. Zyniker würden vermutlich sagen, es handelt sich um eine Heile-Welt-Story, aber das Ganze wird ohne Klischees erzählt, mit amüsierter Distanz und durchaus ironisch.

Wie würden Sie Ihre Filmfigur, den Grafen Philippe, beschreiben?
Es handelt sich um einen Herrn aus verarmtem Adel, der das Familienerbe verloren hat, er ist chronisch depressiv und wurde von seiner Frau verlassen. Ich vermute mal, dass er auch einen katholischen Hintergrund hat. Jedenfalls könnte niemand weniger gemein haben mit diesem algerischen, moslemischen Bauern, der plötzlich bei ihm aufkreuzt. Er stammt aus einem sehr spezifischen Milieu, das ich gut kenne und von dem ich mich inspirieren ließ, was seine Art sich zu kleiden und zu reden betrifft. Durch die Begegnung mit Fatah wird Philippe ein Stromstoß von 3000 Volt an Einfachheit, guter Laune, Energie und menschlicher Wärme verpasst. Diesem kleinen Mann hat er es letztlich zu verdanken, dass er aus seiner bitteren Einsamkeit herausfindet und wieder Spaß am Leben hat.

Was für ein Regisseur ist Mohamed Hamidi?
Weil Mohamed auch das Drehbuch geschrieben hatte, kannte er die Figuren natürlich in- und auswendig und wusste immer ganz genau, was er wollte und was er von uns erwartete. Das empfand ich als sehr angenehm. In meiner Rolle reite ich ja, weshalb ich ihm einmal vorschlug, eine Szene zu drehen, in der ich hoch zu Ross in meinem Haus zu sehen bin. Das wollte er aber nicht und erklärte mir sehr genau, weshalb nicht: Er fand es zu theatralisch, übertrieben und irgendwie vorhersehbar. Auch was die Kostüme angeht, hatte er genaue Vorstellungen. Außerdem brachte er Fatsah und mich dazu, deutlich komödiantischer zu spielen. Sein Sinn für Humor ist extrem ausgeprägt, und er sorgte dafür, dass am Set eine wunderbar herzliche Stimmung herrschte. Wir waren wie eine Familie, die sich mochte und glücklich war, diesen Film zu drehen.

Hatten Sie schon mal mit Jamel Debbouze gearbeitet?
Ja, im Film „Auf den Spuren des Marsupilami“, in dem ich einen Diktator spiele, der Céline Dions größter Fan ist. Ich selbst bin Jamels größter Fan, finde ihn faszinierend. Klar, dass er mich zum Lachen bringt, aber was mich vor allem begeistert, sind seine Menschlichkeit, seine große Neugier und seine Liebenswürdigkeit.

Jamel improvisiert nach Herzenslust. Hat Sie das nicht aus der Fassung gebracht?
Aber dabei entfernt er sich nie sehr weit vom ursprünglichen Drehbuch. Seine Schlagfertigkeit ist sagenhaft, und er erzählt wahnsinnig gern Geschichten. Bei ihm könnte die Kamera endlos laufen. Das Gleiche gilt für Fatsah. Die beiden kommen eben aus der Stand-up-Comedy und können bis in alle Ewigkeit improvisieren. Mein Ding ist das eher nicht, trotzdem habe ich mich in ihrer Gesellschaft sehr wohl gefühlt. Manchmal konnten wir einfach nicht mehr vor Lachen.

Demnach war es ein sehr lustiger Dreh?
Ja, aber nicht nur das. Natürlich haben wir uns amüsiert, doch gleichzeitig war klar, dass wir eine interessante, sehr schöne Geschichte erzählen. Das kommt nicht oft vor. Natürlich war das nicht meine erste Komödie, man sagt sich jedesmal: „Das ist witzig, das macht Spaß“, aber diesmal hatte die Geschichte wirklich das Potential, zu bewegen und zu inspirieren.



Interview
MIT JAMEL DEBBOUZE (Hassan)

Wie sind Sie Co-Produzent des Films geworden?
Das ergab sich einfach so. Mohamed hat bei meiner letzten Show Regie geführt, er ist unglaublich talentiert. Ich mag seine Sicht der Dinge und wie er Alltagsgeschichten erzählt, die ein breites Publikum berühren. Regisseure wie ihn und solche Geschichten unterstütze ich sehr gern.

Eine Kuh, dazu ein Unbekannter in der Titelrolle – das machte es bestimmt nicht leicht, die Finanzierung des Films zu stemmen, oder?
I wo, nichts ist billiger zu haben als eine Kuh und ein unbekannter Schauspieler!

Sie haben viele Talente entdeckt, darunter auch Fatsah und Mohamed. Erinnern Sie sich noch daran?
Ich würde eher sagen, die beiden haben mich entdeckt! Als Mohamed zu mir kam, um mir sein erstes Drehbuch „Né quelque part“ vorzustellen, lernte ich einen sehr witzigen, umtriebigen Mann kennen, der mehr als nur Oberfläche ist. Als Regisseur schenkt er den anderen sein Ohr, gerade weil er genau weiß, was er will. Er kennt die Richtung, und das gibt ihm Selbstsicherheit. Was während eines Drehs wirklich in ihm vorgeht, weiß ich natürlich nicht. Aber er macht stets den Eindruck, als wäre er gelassen und tiefenentspannt. Wir beide haben viel gemeinsam und interessieren uns für die gleichen Dinge, deshalb haben wir nie den Eindruck, dass wir arbeiten. Man darf aber auch nicht vergessen, dass er Wirtschaftsprofessor ist, und dass der „Prof“, wie wir ihn nennen, niemals locker lässt. Sagen wir so: Er gibt einem das Gefühl, auf einem Pausenhof zu arbeiten. Fatsah wiederum habe ich entdeckt, als ich einen seiner Sketche auf DVD sah. Ich fand ihn unglaublich lustig, aber er berührte mich auch zutiefst. Fatsah ist ein sehr zärtlicher, tiefgründiger und verflucht witziger Mensch – und er ist derjenige, mit dem ich in den vergangenen Jahren am häufigsten zusammen gespielt habe, sei es beim Festival „Marrakech du rire“ oder in unseren gemeinsamen Sketchen.

Zu Beginn des Films schämt sich der von Ihnen gespielte Hassan für seinen Schwager, außerdem verbietet er ihm, der Familie zu erzählen, dass er mit einer Französin zusammenlebt und mit ihr Kinder hat. Aber dann beginnt er sich zu verändern…
Ich mag die Figur sehr. Solche Männer kenne ich in- und auswendig, sie erinnern mich an Freunde oder an Cousins. Männer, die sich nicht trauen zu sagen, wer sie wirklich sind oder welches Leben sie führen, und die sich damit in unmögliche, ja unerträgliche Situationen bringen. Dabei müssten sie nur reden, um ihre Probleme zu lösen. Was mir an der Figur gefiel, war, dass sie sich letztlich anders besinnt und zu sich selbst steht. Vielschichtige Figuren zu spielen, ist immer interessant, vor allem, wenn sie sich weiter entwickeln.

Sie hatten zuvor schon einmal mit Lambert Wilson gedreht – was ist er für ein Filmpartner?
Wir sind uns zum ersten Mal beim Dreh von „Auf der Jagd nach dem Marsupilami“ begegnet. Das war mitten im mexikanischen Dschungel, und Lambert trug Frauenklamotten. Mir sind als erstes seine tollen Beine aufgefallen. Und wir mochten uns sofort. Er lässt so viel Nähe zu, dass es fast schon verstörend ist. Sein Charisma ist unglaublich, und er baut überhaupt keine Barrieren auf. Er ist lustig, nett, liebevoll und empfindsam. Und dann dieser Name: Lambert Wilson! Er ist genau so, wie man ihn sich vorstellt – er hat viel mit seinen Filmfiguren gemeinsam. Der Dreh mit ihm war eine großartige Erfahrung. Immer wieder gerne!

Glauben Sie, dass im wahren Leben ein Mensch wie Fatah im heutigen Frankreich das bewirken könnte, was er bewirkt?
Sie meinen, ob man mit einem Menschen mitfühlen kann, der das Land zu Fuß und mit einer Kuh an seiner Seite durchquert, um sich seinen Traum zu erfüllen? Ob man einem ehrlichen, sehr humanen Menschen helfen würde? Ja, ich bin sicher, dass die Franzosen das könnten. Natürlich sie sind dazu fähig, und sie haben es schon oft genug bewiesen. Doch, Frankreich ist so!

Cast & Crew
  
Besetzung
FatahFATSAH BOUYAHMED
PhilippeLAMBERT WILSON
HassanJAMEL DEBBOUZE
Junge ReporterinJULIA PIATON
NaïmaHAJAR MASDOUKI
MokhtarABDELLAH CHAKIRI
LehrerinAMAL EL ATRACHE
HaméHAMED MILOUD KHETIB
LucienCHRISTIAN AMERI
CathyKARINA MARIMON
ZaubererPATRICE THIBAUD
ClaireCHARLINE PAUL
JacquelineCATHERINE DAVENIER
  
Stab
RegieMOHAMED HAMIDI
DrehbuchMOHAMED HAMIDI
ALAIN-MICHEL BLANC
FATSAH BOUYAHMED
ProduzentenNICOLAS ADASOVSKY DUVAL
YANN ZENOU
LAURENT ZEITOUN
JAMEL DEBBOUZE
KameraELIN KIRSCHFINK
SchnittMARION MONNIER
SzenenbildARNAUD ROTH
KostümHADJIRA BEN-RAHOU
MusikIBRAHIM MAALOUF
Musik SupervisorsJENS GRÖTZSCHEL &
STEFAN SCHULZKI
RedaktionSTEPHANIE GROSS (SWR)
CHRISTINE STROBL (ARD DEGETO)
  
Aktuelle News
E-Cards
ZUM DOWNLOADEN AUF DIE E-CARD KLICKEN
E-Card downloaden
E-Card downloaden
E-Card downloaden
E-Card downloaden
E-Card downloaden